#Adscharien, #Batumi, #Polizei, #Ticket, #Luxus, #SchwarzesMeer, #8.6.2018,

Auf dem Weg … wir wollen heute Batumi erreichen. Unterwegs machen wir die Bekanntschaft von zwei georgischen Polizisten.

Auf der Strecke halten wir in einer kleinen Ansiedlung nochmal an einem Obststand an. Nachdem wir das Obst, was wir in Chaschuri nicht erhielten, hier gekauft haben, setzen wir unsere Reise fort. Kurz hinter der Stelle, an der wir in dem Dörfchen angehalten hatten, befanden sich Kühe auf der Fahrbahn (in Georgien ist das üblich, dass die Tiere sich auf der Straße frei bewegen). Etwas entfernt kam uns ein Auto entgegen; ich überhole die Kühe trotzdem. Das war keine gefährliche Situation, doch ich bin schnell gefahren und es war nicht erlaubt. Mein Pech war, dass in dem Gegenverkehr ein Polizeiauto war. Die Polizisten haben gesehen, dass ich die weiße durchgezogene Linie in der Fahrbahnmitte überquert hatte. 30 Lari habe ich zahlen müssen, wegen unerlaubtem Überholen. Bezahlen kann ich allerdings nur bei einer Bank; zudem bin ich mit dem Kennzeichen meines Auto´s jetzt registriert und komme nur mit Quittung über die Grenze. Ich vermute, für die Georgier sind die Tickets für Verstöße gegen die Verkehrsregeln von Touristen und Ausländern eine Devisenquelle.

Die Strecke von Borjomi nach Batumi. 8.6.2018

Es ist das erste Mal auf unserer Reise, dass wir die Bekanntschaft von Polizisten machen und Strafe zahlen. Ärgerlich:-( ….

Auf der Fahrt kommen wir wieder durch die grünen Täler, die wir auf dem Hinweg nach Borjomi gesehen haben. Doch bald verlassen wir die Bergregion und fahren durch trockene Landschaften. Die Straßen sind zuerst in recht gutem Zustand. Irgendwann wird die Strecke zweispurig; es ist eine moderne Autobahn und wir kommen recht gut voran; und dann wird es irgendwie komisch. Zuerst ist die Strecke nur noch einspurig, dann kommt eine Abfahrt, es gibt keinen Hinweis, wo es weitergeht. Mein Navi kommt damit absolut nicht zurecht. Wir landen zweimal im Nirwana.

Ich kehre um und fahre die Strecke zurück. An einer Tankstelle fragen wir, wo der Weg nach Batumi weitergeht. Dem Mann von der Tankstelle ist das alles bekannt, was wir ihm berichten. Er sagt, ihr seid nicht die Ersten, die fragen. Er beschreibt uns die Stelle, wo wir abfahren müssen. Hinweisschilder? Fehlanzeige … das ist Georgien. Ich kann noch lachen; wir haben jedoch mindestens 1,5 Stunden verloren und am Ende brauchen wir für die 276 km fast 6 Stunden. Das ist gewöhnungsbedürftig, bzw. wir sind halt verwöhnt von den deutschen Verhältnissen.

Ich frage mich, wer lebt glücklicher, die Georgier oder die Deutschen. Bei uns in der Heimat ist halt alles gut organisiert und geordnet, oder soll ich sagen, in Deutschland ist alles „kontrolliert“.

Klar ist Georgien ein armes Land, wenn ich es wirtschaftlich betrachte. Doch ansonsten ist das Leben hier doch ein Stück weniger kontrolliert, als in Deutschland. Natürlich ist es eingesperrt zwischen Russland, der Türkei und es liegt nicht weit ab vom Iran (die Machthaber in Iran denken auch, dass sie eine Großmacht sind). Vor 10 Jahren herrschte hier Krieg. Die Lebensbedingungen hier sind anders als in Westeuropa, wir haben in der Heimat eine politische und wirtschaftliche Stabilität, wie es sie nur in wenigen Staaten auf der Welt gibt.

Doch irgendwie bin ich von unserem System in Deutschland ziemlich genervt, um nicht zu sagen, ich habe die Nase voll. Die deutschen Politiker drehen sich seit Jahren im Kreis (um ihr eigenes, meistens extrem narzistisches Ego) und bringen nichts hervor, dass ich mich als Bürger wirklich gesehen und wahrgenommen fühle. Georgien hat keine Demokratie und es herrschen Autokraten und Oligarchen; auch keine wirklich guten Umstände. Trotzdem habe ich das Gefühl, die Menschen sind hier weniger eingezwängt, als wir in Deutschland und sie sind vor allem innerlich freier.


Wir freuen uns, das Schwarze Meer zu sehen und die wunderschönen Blicke auf die Stadt Batumi. Wir fahren an der Küstenstraße entlang und suchen uns ein Hotel. Wir sind noch von dem Luxus in Borjomi verwöhnt und wollen uns auch hier eine schöne Unterkunft gönnen.

Die Stadt hat ihren besonderen Charakter, mit den Palmen und dem subtropischen Klima. Die Altstadt liegt nah am Meer und das Bild wird durch die Skyline mit den modernen Hochhäusern geprägt.

Unsere Pläne sehen vor, dass wir hier noch zwei oder drei Tage bleiben und dann mit der Fähre nach Odessa fahren und über die Ukraine nach Weißrussland. Dort wollen wir die Familie von Nadja besuchen und über Polen heimfahren. Den Besuch von Wolgograd (Stalingrad), der urprünglich noch auf unserem Plan stand, haben wir aufgegeben. Wir hätten nochmals eine Strecke von 1.300 km zu bewältigen, um nach Hause zu kommen. Das ist uns einfach zu viel Strecke und Autofahren. Wir sind ja nicht auf der Flucht, sondern im Urlaub.

Unsere Wahl ist das Sheraton, das Hotel befindet sich in einem Gebäude mit stalinistischer Architektur. Es sieht alles recht ansprechend aus und auch sehr monumental. Die Eingangshalle ist sehr hoch und großzügig gestaltet. Jedenfalls beeindruckend. Ich glaube, es ist das teuerste Haus am Platz, doch wir buchen es trotzdem für zwei Nächte.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, gehen wir noch in die naheliegende Altstadt und suchen uns ein Restaurant. Die Altstadt von Batumi ist sehr schön, mit viel alter Architektur, schönen Plätzen und Straßen. Hier gab es schon von Alters her schöne Häuser, doch es wird auch aktuell viel investiert. Entlang des Schwarzen Meeres gibt es sehr viele große Hotels. Die Investoren kommen überwiegend aus Kasachstan, Aserbeidschan und der Türkei.

Mir gefällt es in der Altstadt gut; die Hochhäuser an der Schwarzmeerküste finde ich eher störend. Es ist wohl auch hier so, Geld regiert die Welt. Die Aussicht auf den anziehenden Tourismus bringt die Investoren nach Batumi. Und die Administration hat keine Regelungen getroffen, die auf die Harmonie zwischen dem Stadtbild, der Natur und den Bedürfnissen der Menschen achten. Korruption wird ihr Übriges tun.

Trotz allem ist die Stadt immer noch sehr attraktiv und als Urlaubsort sehr beliebt. Wir fühlen uns unter den genannten Umständen wohl und es gefällt uns in Batumi

Wie bereits angekündigt, geht es in Kürze mit dem nächsten Abenteuer weiter.

#Kristine, #Abschied, #Krieg, #Reise, #ChaschuriMarkt, #Batumi, #Begegnung, #Seele, #8.6.2018

Liebe Freunde,
liebe Leser,
ich danke euch für euer Interesse an meinem Bericht über die Reise „Der Sonne entgegen – zwei Junge alte auf Tour“. In den letzten Wochen finde ich wieder ganz viel Geschmack daran, den Reisebericht weiterzuführen und zu beenden. Es macht mir viel Spaß, euch an unserem Erleben teilhaben zu lassen.
Ich denke oft daran, wie ich die Inhalte meiner Berichte zukünftig gestalten möchte. Mir liegt es am Herzen, euch noch mehr an den Vorgängen in mir teilhaben zu lassen, mehr von meinen Gedanken und meinen Gefühlen in den Begegnungen mit den Menschen, die wir auf der Reise kennenlernen und erleben, wiederzugeben. Ich hoffe, das gelingt mir.

Ausblick aus unserem Zimmer, Crown Plaza, Borjomi. 8.6.2018

Wir nehmen – schweren Herzens – Abschied von Kristine und von dem schönen Borjomi. Unsere Reisepläne fordern uns zum Verlassen dieses so schönen Ortes auf. Unser nächstes Ziel ist Batumi am Schwarzen Meer.

Die Begegenung mit Kristine im Crown Plaza Hotel in Borjomi zählt zu einer der schönsten menschlichen Begegnungen, die wir auf der gesamten Reise erleben. Schon gestern hatten wir das Vergnügen, Kristine kennenzulernen. Sie ist Praktikantin und begleitet im Hotel die Position der Supervisorin. Ihre ausgesprochen offene und freundliche Erscheinung, die Eleganz, die sie ausstrahlt und ihr Auftreten ist eine Wohltat. Sie ist voller Lebensfreude, sehr positiv gestimmt und selbstbewußt, zudem sehr zuversichtlich. Ihr Vater ist Georgier und die Mutter Russin. Nadja interessiert es, wie Kristine die Zukunft ihrer Heimat Georgien sieht. Der verlorene Krieg gegen Russland ist erst zehn Jahre her. Europa hatte versprochen Georgien zu unterstützen; was tatsächlich geschah: Deutschland und Europa haben Putin gewähren lassen und Georgien musste erkennen, auf die Freunde in Westeuropa ist kein Verlass. Seitdem sind die Herausforderungen für Georgien, die schwierige wirtschaftliche Situation, der mächtige Nachbar Russland, von dem die Gefahr von neuen kriegerischen Auseinandersetzungen ausgeht, nicht kleiner geworden. Im Norden der mächtige Nachbar, im Süden die Türkei, die ebenso daran interessiert ist, ihren Machtbereich zu erweitern. Fast ein Drittel der Georgier lebt im Ausland, notgedrungen, weil das Land seine Einwohner nicht mehr ernähren kann. Die Georgier, die noch im Land geblieben sind, machen, ohne zu Jammern, das Beste daraus.
Kristine, das ist mir jetzt, nach 8 Monaten erst so richtig bewußt, ragt dabei besonders heraus, sie hat keine Furcht. Sie ist trotz diesen schwierigen Umständen sehr zuversichtlich, dass Georgien diese Herausforderungen schafft und sich zukünftig gut entwickeln wird. Es ist spürbar, in ihr ist großer Mut und Lebensfreude, Lust am Leben, pure Zuversicht. In ihr ist eine immense Kraft, die nur junge Menschen ausstrahlen, die das Leben noch vor sich haben. Wie erfreulich diese Haltung ist; wie wichtig für das Land, dass es solche furchtlosen Menschen und so große Zuversicht gibt. Das Leben von Menschen, von Familien, Gruppen, ja ganzen Volksgruppen und Völkern braucht Menschen mit dieser Haltung, um die Widerstände und Hemmnisse des Alltäglichen in so einem Umfeld überwinden zu können und Zukunft zu gestalten. Krisen dankbar als Chancen anzunehmen und in Liebe daraus das zu machen, was gerade möglich ist, ist wichtig. Ich spüre auch den Stolz, dass sie Georgierin ist, obwohl sie auch zur Hälfte russchische Wurzeln hat.
Allerdings gehört sie auch zu einer Bevölkerungsschicht, die gut situiert ist und durch die gute Ausbildung sehr schnell Führungspositionen begleiten kann. Ihr Praktikum im Hotel ebnet ihr den Weg ins Hotelmanagement.
Die Herausforderungen, die Djulietta in dem Dorf Asureti hat, sind da doch noch anders. Dort gibt es viel Verfall und es ist sehr schwer, wirtschaftlich zu bestehen. Auf dem Friedhof in Asureti sind auch 14 Gefallene des russisch-georgischen Krieges beerdigt. Da ich kurz nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland geboren bin, in der Nähe des „Eisernen Vorhangs“, denke ich an die damalige Zeit. Mein Großvater sagte manchmal, in zwei Stunden sind sie hier (damit meinte er die Rote Armee).
Die Nachkriegszeit in Deutschland war von größerer Zertstörung geprägt. Die deutschen Großstädte existierten nicht mehr. Trotzdem erinnert mich Georgien etwas daran, was die deutschen Frauen (natürlich auch in anderen Nationen) in der Nachkriegszeit geschafft haben. Sie hatten nicht nur die Traumata des verlorenen Krieges zu überwinden, meist allein, weil die Männer in Gefangenschaft waren oder gefallen, sondern manche wußten nicht, wie sie Ihre Kinder satt bekommen sollten. Die Energie, die diese Frauen damals aufgebracht haben, den Glauben daran, dass es weitergeht, vielleicht auch die Verzweiflung, hat den Wiederaufbau von Deutschland ermöglicht.
Die georgischen Frauen tragen heute auch viel Verantwortung und packen an.

Hier im Kaukasus, in Tiflis, gibt es die „Mutter Georgien“, die die Kinder ihres Land beschützt. Die Statue wurde nach dem Verfall der Sowjetunion verändert. Früher hat sie den Blick nach unten geneigt, heute hat sie den Kopf stolz erhoben. Für mich ist das ein Synonym für die meisten Ein-wohner von Georgien. Was für ein stolzes Volk.

Kristine ist für mich ein leuchtendes Beispiel eines Menschen, der sich in jeder Sitiuation im Leben den Mut und die Zuversicht bewahren kann. Sie ist eine stolze Georgierin und diesen Menschen gehört die Zukunft. Und es ist spürbar, dass sie den Willen und die Kraft zur Veränderung hat. Nadja und ich wünschen Kristine, dass sie sich diese Haltung zum Leben bewahrt und ihre Visionen in eine lebenswertere Zukunft für sich und für ihre Heimat Wirklichkeit werden

Obwohl nun schon acht Monate vergangen sind, seit wir Kristine in Borjomi begegnet sind, fühlt sich dieses Erlebnis immer noch so lebendig an, als wäre es gestern gewesen.

Es gibt ja den Spruch, „wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“. Das ist so, von allen Reisen, besonders von denen, die ich die letzten Jahren gemacht, kann ich etwas erzählen.

All diese Reisen haben mich in ihrer eigenen Weise mehr oder weniger geprägt und verändert. Ich habe dafür weite Wege zurücklegt, viele Strapazen auf mich genommen, Herausforderungen bestanden. Natürlich waren auch die notwendigen finanziellen Mittel (und dadurch Verzicht auf Konsum) erforderlich. Doch alle Reisen haben mich in meinem Leben weiter gebracht. Ich bin immer mehr zu dem geworden, der ich eigentlich bin. Ich habe meine alten Konditionierungen und meine alten Muster aus der Vergangenheit, immer mehr und besser erkennen können. Mich in Liebe so anzunehmen, nachdem ich mich immer mehr erkannt habe, das hat gedauert; weit über das Ende der Reise hinaus. Das Reflektieren über mich, wäre jedoch ohne diese Reisen nicht so schnell möglich gewesen, dessen bin ich mir sicher.

Meine Reisen waren nicht nur geprägt von den Landschaften und der Natur, die ich z. B. auf dem Jakobsweg und auch allen anderen Reisen unterwegs gesehen und erlebt habe. Mich in der Natur zu erleben, im Wald oder einfach draußen zu sein, hat mir die Tür zu meiner Seele geöffnet. Für mich war die Natur ein Spiegel für meine Seele, ich fand Ruhe in mir, konnte mich beim Wandern mir selbst zuwenden. Gleichzeitig freute sich meine Körper, dass er gebraucht wird und das tun kann, wofür er auch da ist, mir Bewegung zu verschaffen.

Die Begegnungen mit Menschen stellten für mich allerdings eine weitere und besondere Möglichkeit zur Innenschau (in meine Seele) dar. An die Begegnungen mit Menschen. denen ich ohne Furcht in die Seele schauen konnte, erinnere ich mich am liebsten.
Die Augen sind der Spiegel der Seele. In Begegnungen mit Menschen, denen ich in die Augen und in die Seele schaue, begegne ich auch mir.
So ist es auch bei Kristine.

Diese Reise, die ich diesmal mit Nadja zusammen gemacht habe, zeigt mir einmal mehr, dass das Glück nicht im Außen liegt. Bei all den Menschen, denen wir auf der Reise begegnen, besonders denen, die mit wenig Mitteln leben müssen, zeigt sich eine große Ruhe und Zufrieden-heit. Sie haben keine Mittel um viel konsumieren zu können. Trotz allem scheinen sie glücklich zu sei

Auf nach Batumi:

Bevor wir losfahren, versorgen wir uns zum Abschluss noch einmal mit dem gesunden Wasser der Borjomiquelle, die sich direkt an der Zufahrt zu dem Crown Plaza Hotel befindet.

An der Borjomiquelle, Borjomi. 8.6.201
Nadja an der Borjomiquelle, Borjomi. 8.6.201

Auf dem Weg nach Batumi kommen wir noch einmal durch Chaschuri und haben das Glück, dass heute wieder der Wochenmarkt stattfindet, den wir vorgestern schon besucht hatten. Es ist für uns beide selbstver-ständlich, dass wir anhalten und nochmal über den Markt gehen. Das Glück ist uns hold, wir treffen wieder die beiden lieben Menschen, die wir vorgestern kennengelernt haben.

Es ist die Gelegenheit, uns noch einmal mit frischem Brot, Obst und Gemüse zu versorgen. Obst und Gemüse kaufen wir an dem gleichen Stand wie vor-gestern. Dort werden wir freudig begrüßt, auch diesmal gibt es wieder frische Tomaten zum Probieren. Der Mann holt die Wasserflasche hervor und wäscht die Tomaten, die Frau bringt ein Messer, Salz und auch noch frischen Käse. Wir halten eine kleine Zwischenmahlzeit an dem Marktstand. Was für eine Liebe, die beide ausstrahlen. Die Unterhaltung, die Nadja mit den beiden führt geht auch darum, dass der Mann gerne nach Deutschland kommen würde, um dort einen gebrauchten Mercedes kaufen zu können. Diese Auto´s seinen so zuverlässig. Letztlich scheitert es daran, dass ihm die Mittel für die Reise fehlen. Ich stehe da und bin traurig; wie gern würde ich diesen Menschen helfen. Gleichzeitig bin ich erstaunt, wie gelassen dieses so nette und liebe Paar ist. Kein Jammern, vielmehr erleben ich die beiden sehr lebensfroh.
Manchmal wünschte ich mir, die Menschen in Deutschland, die so sehr (auf hohem Niveau) jammern, sollten nur für einige Monate hierher kommen und hier unter diesen Umständen leben, wie es die Georgier tun. Vielleicht wären diese Jammerlappen dann ein für alle mal von der Jammerei geheilt.
Wir beenden diese sehr erbauliche Begegnung, nachdem wir an Körper und Seele wohl genährt sind, begeben wir uns auf die Weiterreise.

Weiter geht es in Batumi. Noch zwei Berichte, dann kommt das Abent-euer, das wir bei dem Aufbruch für die Rückreise zu bestehen haben.

#HotelRustawi, #ChaschuriMarkt, #Borjomi, #CrownPlaza, #Heilwasser, #7.6.2018

Eine Weiterfahrt kam gestern für uns nicht mehr in Frage. Es war schon später Nachmittag, als wir uns von der Familie Kasradze verabschiedet haben. Die Weiterfahrt nach Batumi, unserem nächsten Ziel, wollten wir nicht mehr auf uns nehmen. Wir sind ja im Urlaub, also keinen Urlaubsstress. So bleiben wir im Hotel Rustawi, das wir allerdings nur gebucht haben, weil es hier kein anderes Hotel gibt, das uns zusagt. Nadja meint, es ist ein typisches Sowjethotel. Der Service an der Rezeption ist sehr reserviert; das Gebäude leidet an fehlenden Renovierungen. An der Hotelfassade kann ich erkennen, dass manche Etagen leerstehen. Hier fehlt es an Gästen und dementsprechend an dem Geld, das für den Erhalt des Hotels erforderlich ist.

„Es gibt Wohlfühlhotels, doch dazu zählt das Hotel Rustawi nicht.“

Die Nacht war durchwachsen, da die Betten für mich recht ungemütlich sind. Bei meinem ersten Gang ins Badezimmer diesen Morgen muss ich aufpassen. Ich habe Bedenken, dass der Spiegel von der Wand fällt, wenn ich ihn scharf ansehe. Bis auf das Waschbecken, die Toilette und die Armaturen ist die Ausstattung im Bad aus Plastik. In Deutschland kauft man diese Teile im 1€-Shop. Es ist erkennbar, hier wurde gespart, bzw. musste gespart werden.

Während ich mich im Bad aufhalte, bereitet Nadja in der Küche, die sich auch auf der Etage befindet, unser Frühstück zu. Natürlich besteht das aus Frischkornbrei und Obst. Von unserem gesunden Essen weichen wir auch hier nicht ab.

Nachdem wir aus dem Hotelfenster noch einige Fotos von der Umgebung gemacht haben, packen wir unsere Koffer und gehen zum Parkplatz. Dort treffen wir wieder den Mann, der Deutschland so sehr liebt. Nach einer angeregten Unterhaltung, die Nadja mangels meiner Russischkenntnisse führt, sind wir abfahrbereit.

Der Mann, der Deutschland so sehr liebt, dass ihm die Tränen in den Augen stehen, wenn er davon spricht, was die deutschen Kriegsgefangenen in Rustawi geschaffen haben. Ich bin sehr berührt von dieser Liebe, seinem freundlichen Wesen und seiner Offenheit.
Rustawi 7.6.2018

Als kleine Geste des Dankes haben wir ihm und seinen beiden Kameraden drei Flaschen Löwenbräu mitgebracht, die wir in einem Laden gefunden hatten. Gestern hatte einer der Deutschlandliebhaber erwähnt, dass er auch deutsches Bier liebt. Für mich ist es schön, zu spüren, wie sehr Schenken Freude macht. Auf diesen Mann zu treffen, die Gespräche mit ihm zu führen, das ist für uns mal wieder etwas Besonderes. Es ist eine Begegnung, die wir immer noch im Herzen tragen, obwohl, seitdem wir das Erlebnis hatten, fast 8 Monate vergangen sind. So verabschieden wir uns mit ein wenig Wehmut von unserem neuen Freund.

Unsere Fahrt nach Borjomi; 200 km in drei Stunden. Am Ende waren es über fünf Stunden, bis wir in Borjomi ankamen. 7.6.2018

Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Rustawi in Richtung Borjomi.

Der Name Borjomi ist mir zum ersten Mal in Lemberg begegnet. Ich habe dort im Restaurant „Red Pepper“ die Heilwirkung des Wassers erfahren können, das als Borjomi verkauft wird. Mich plagten eine leichte Übelkeit und Kopfschmerzen, also holte mir unser Stadtführer Andre eine Flasche Borjomi, das weltberühmte Heilwasser aus der Stadt Borjomi. Und es hat geholfen; meine Kopfschmerzen und die Übelkeit hatten sich bald in Luft aufgelöst. Es wundert mich nicht, dass Borjomi in die ganze Welt geliefert wird.
Nachdem wir zurück in Deutschland sind, stelle ich fest, das Heilwasser kann ich auch hier in Bad Nauheim kaufen (der Preis liegt für 0,33 l bei fast 2€ …. und das Wasser ist es wert).

Auf dem Weg nach Borjomi kommen wir noch einmal durch Tbilisi. Diesmal fahren wir auf einer Autobahn, die noch neu ist. Doch manche Abschnitte sind nicht fertiggestellt und nur sehr grob geschottert. Wir müssen im Schritttempo fahren. Offensichtlich fehlt es hier an den Geldern zur Fertigstellung der Autobahn.
Wir werden ordentlich durchgerüttelt und kommen nur langsam voran. Manchmal können wir das schöne Bergpanorama im Zentralkaukasus sehen, bei der gezwungenermaßen langsamen Fahrt.

Schließlich kommen wir auf der Strecke durch Chaschuri. In der Stadt ist ein großer Wochenmarkt, der uns zum verweilen und anschauen einlädt. Es herrscht reges Markttreiben hier, wir kaufen uns Obst und Gemüse. Der Gemüsehändler, den wir finden, ist ein sehr freundlicher Mann und wir werden eingeladen, die Tomaten zu kosten. Sie schmecken uns und er schenkt uns die Tomaten, die wir haben wollen. Es ist einfach nur schön, solche Seelen zu erleben. Der Mann und seine Frau, die ihm am Marktstand hilft, haben uns auch noch Käse angeboten. Mit dem Salz, das wir noch erhalten, schmeckt es uns hier. Die beiden geben mit Freude, das ist spürbar. So gestärkt verabschieden wir uns und machen uns wieder auf den Weg.

Mittagessen auf der Fahrt nach Borjomi. 7.6.2018

Die Landschaft verändert sich, wir kommen immer mehr in die Berge und fahren bald durch enge Täler. Alles ist grün und die Landschaft auf dem Weg verschafft uns schöne Aussichten. Es ist nicht mehr so trostlos, wie auf der Strecke von Rustawi nach Tbilisi. Der Hunger meldet sich und nach einem erfolglosen Versuch an einem Lokal, etwas zu Essen zu bekommen, finden wir ein Restaurant an der Straße, das uns zusagt. Hier gibt es Lamm (was ich gerne essen möchte) und es wird frisch zubereitet; wir konnten zusehen, wie das Fleisch gegrillt wird.
Der Eismann ist auch schon da, wie ihr seht. Ein Ableger aus Deutschland?

Es dauert nicht mehr lange und wir sind in Borjomi. Bis wir den Kurpark finden, vergeht mangels Orientierung etwas Zeit. Wir parken an einem zentralen Parkplatz und laufen mit unserem Wasserkannister durch den Kurpark zu den Quellen, wo wir das gute Heilwasser kostenlos erhalten. Der Weg zu der Heilquelle ist doch viel länger, als wir dachten. Ich komme mir etwas komisch vor, mit dem Kannister in der Hand. Die Quellen befinden sich am Ende des Kurparks und dort angekommen, füllen wir unseren Kannister auf (unser Wasservorrat für die Weiterfahrt ist wieder gesichert). Die Umgebung hier ist sehr schön, wir sind in einem Tal mit steil aufragenden Bergen umgeben. Neben dem rauschenden Flüsschen Borjomi befindet sich das schöne Crown Plaza Hotel. Es sieht sehr edel aus und lädt uns zum Bleiben ein. Der Service an der Rezeption ist Spitze und nach etwas Überlegung buchen wir uns ein Zimmer. Es entspricht nicht unserem Budget, doch wir entscheiden uns für das „Wohlfühlhotel“ und gönnen uns den Luxus.

Nachdem wir unser Auto geholt und unser Zimmer bezogen haben, setzen wir uns auf die Hotelterasse. Wir werden sehr freundlich und zuvorkommend bedient. Eigentlich wollte ich nur einen Espresso drinken, doch ich kann im Gegensatz zu Nadja, der süßen Leckerei nicht widerstehen, die mir angeboten wird. Heute schlemme ich!

Schon bei der Ankunft in der Stadt ist erkennbar, hier herrscht kein solcher Geldmangel, wie in den Städten, die wir bisher in Georgien gesehen haben. Borjomi ist das „Baden Baden“ von Georgien. Es gibt gute Straßen, schöne Häuser, Stände mit Waren für Touristen, Restaurants und Cafe´s. Die schöne Lage im Grünen, umrahmt von Bergen, das Flüsschen, die schöne Architektur, das zieht die Menschen an. Der Wohlstand ist hier am Ende des Kurparks am deutlichsten erkennbar. Es sind jedoch nicht nur die Kurgäste, die zu dem Wohlstand beitragen, sondern auch die Einnahmen von dem Heilwasser, das weltweit vertrieben wird. Das Exportvolumen des Wassers macht 10% des gesamten Exports von Georgien aus.
Wir freuen uns an dem florierenden Betrieb der Kurstadt und geniessen den Aufenthalt hier. Der Erfolg ist spürbar, die Stadt pulsiert mehr, als die anderen Städte des Landes und die Atmosphäre hier lädt zum Verweilen ein.
Zum Abschluss des Tages machen wir bei anbrechender Dunkelheit noch einen Parkspaziergang. Es sind nur noch wenige Menschen unterwegs und wir gehen bald wieder zurück zum Hotel.
Da wir noch kein Abendbrot gegessen haben, gönnen wir uns noch etwas Obst und Käse. Auf der Hotelterasse können wir auch diese Leckereien bei einem Gläschen Wein genießen. In aller Gemütlichkeit beenden wir für heute das Schlemmen und begeben uns in unser Zimmer, wo wir bald selig einschlafen.

Wie es weitergeht?

Morgen folgt die Reise von Borjomi nach Batumi. In Batumi wartet auf uns das größte Abenteuer der Reise.

Bald berichte ich auch über unsere diesjährigen Urlaubspläne, die Reisevorbereitungen und was wir in der Zukunft – in ca. zwei Jahren noch planen.

#MercedesTbilisi, #Weinkauf, #Rustawi, #16000Kriegsgefangene, #OvertimeStudio, #Konzert

Die Reise geht weiter. Heute verlassen wir Tbilisi und fahren nach Rustawi, eine Stadt in der Steppe Georgiens. Wir folgen damit der Einladung von Sergey, den wir erst vor kurzem in Hungen (in Deutschland) kennengelernt haben. Doch bevor wir weiterfahren, steht noch eine kleine Reparatur unseren treuen Gefährts an.

Mercedes Tbilisi repariert unser treues Gefährt – eigentlich unser treuer Gefährte – das/der uns jetzt schon ca. 6.500 km gedient hat. Die Herausforderungen hat er alle gut überstanden, doch jetzt ist an der linken Vorderachse die Antriebsmanschette defekt. Wir waren vor drei Tagen schon hier und haben das Fahrzeug checken lassen. Das Ersatzteil ist jetzt da und und kann eingebaut werden. Der Einbau dauert etwas, doch wir warten gerne. Das Wissen, unser Auto ist wieder gut im Schuss, das ist bei den Strecken, die wir zurücklegen, schon ein Pfund (was wert).

Die Menschen bei Mercedes in Tbilisi sind – wie so oft hier in Georgien – ausgesprochen freundlich. Im Wartebereich neben der Werkstatt können wir Platz nehmen, es gibt einen Service, wir versorgen uns mit Essen und Trinken. Nach ca. zwei Stunden ist die Reparatur erledigt. Der Mitarbeiter von Mercedes, der die Reparatur vorgenommen hat, spricht deutsch. Er erläutert uns die Arbeit, wir bezahlen (ca. 100 €, also sehr günstig) und können fahren. Toll, ich freue mich sehr und bedanke mich. An der Kasse möchte ich ein Trinkgeld geben, doch es wird mir verweigert. Der Mechaniker nimmt es gern und wir verabschieden uns.

Eigentlich sollte hier an dieser Stelle ein Video erscheinen, das wie gewohnt angeklickt werden kann, doch die Tücken der Technik bei WordPress sind momentan für mich nicht überwindbar. Seit Tagen probiere ich das Einbinden des Videos über Youtube. Zuerst musste ich Youtube verstehen und habe nach einigen Versuchen, das Video hochladen können. WordPress lässt es nun trotz eines Upgrade nicht zu, das Video einzubinden. Support wäre nur nach vorheriger Terminierung zu einer Zeit möglich gewesen, die mir gar nicht passte. Ich finde es sehr unfreundlich, wie der Support von WordPress die Termine vergibt. Ich hatte keine Auswahl, konnte nur den Folgetag um 19.30 Uhr buchen. Ich habe jetzt die nachfolgende URL einfach kopiert. Es sollte doch klappen, das Video anzusehen, wenn ihr Youtube anklickt, dann die URL, ihr werdet dann auf Youtube weitergeleitet und könnt euch das Video ansehen.

Auf dem Weg nach Rustavi kommen wir noch einmal an der Altstadt vorbei. Spontan entschließen wir uns, nochmals in das Lokal zu gehen, in dem wir gestern Abend den leckeren Wein und den guten Käse genossen haben. Wir nehmen zwei Flaschen Wein als Gastgeschenk mit. Die Beratung von dem jungen Somelier war gut und glücklich über unseren Kauf sagen wir noch einmal auf Wiedersehen.

Nach einer Fahrt durch die Steppe von Georgien haben wir unser Tagesziel, die Stadt Rustawi, bald erreicht. Hier in der Stadt wurde in der Zeit von 1944 bis 1948 das größte Stahlwerk im Kaukasus errichtet.

International bekannt ist die Stadt durch den Rustawi-Chor, einen der berühmtesten Chöre der früheren Sowjetunion, der die Tradition des mehrstimmigen Gesangs pflegt.

Rustawi, 6.6.2018

In dieser schönen Allee treffen wir uns mit Sergey, dem Priester. Die Orientierung auf den Straßen Georgiens ist schwierig, wir müssen erraten, wo wir sind; Straßenschilder sind eine Rarität. Nachdem wir etwas gesucht haben, stellen wir fest, wir sind an der richtigen Stelle. Sergey kommt irgendwann, wir fahren nur noch einmal um die Ecke und sind an der Kirche.
Das Wohnhaus der Familie Kasradze befindet sich direkt angrenzend an der Kirche.

Georgier sind sehr gläubige Christen. Die georgisch orthodoxe Kirche unterscheidet sich etwas von der griechischen oder russischen Orthodoxie (das sind Auskünfte von Prof. Adolf Hampel aus Hungen, der uns sein Wissen schenkt). Wie stark und wichtig die Kirche hier in Georgien für die Menschen ist, hat mir das Gespräch mit Georgi – unserem Stadtführer in Tbilisi – gezeigt. Der Patriarch Ilja ist fast unantastbar für ihn. Die Institution Kirche hat in Georgien noch einen deutlich höheren Wert und ein höheres Ansehen unter den Gläubigen, als in Deutschland (oder Europa). Dementsprechend groß ist hier auch noch der Einfluss, den die Kirche auf die Politik und die Menschen hat.

Der Besuch der St. Trinity-Kathedrale in Tiflis, bei dem ich gesehen habe, welcher hohe Aufwand bei dem Bau dieses größten Kirchengebäudes in Transkaukasien betrieben wurde, regt mich zum Vergleich an. Bei dem jetzigen Besuch hier in Rustawi wird mir klar, dass kaum Geld zur Verfügung steht. Allein der Bau der Kirche war ein großer Kraftakt für die kleine Gemeinde.
Der Patriarch Ilja in der Kathedrale in Tbilisi hat es dagegen sehr komfortabel. Die Kathedrale wurde von einem Oligarchen gespendet (ca. 1.1 Mrd $). Zudem leben in Tbilisi die meisten Gläubigen der orthodoxen Kirche in Georgien. Meines Erachtens kann der Patriarch nur in dieser Fülle leben, einen 500er Mercedes Maybach zu fahren, weil die Spenden in der Kathedrale üppig fließen.

Für Sergey in Rustawi ist es ganz anders; hier ist keine Fülle, sondern das Leben ist von großer Sparsamkeit und der Suche nach Spenden geprägt.

Sergey zeigt uns mit Stolz „seine“ Kirche und die Marmortafeln, die er zum Gedenken an die 4.000 deutschen Kriegsgefangenen aufstellen möchte, die hier in Rustavi beerdigt sind.

Mal wieder erhalte ich quasi Geschichtsunterricht. Der Teil der Stadt Rustawi, in dem wir uns hier befinden, wurde nach dem zweiten Weltkrieg von einem Teil der 16.000 deutschen Kriegsgefangenen erstellt, die auch an dem Bau des Stahlwerks beteiligt waren. Die Häuser wurden von deutschen Architekten geplant und errichtet. Die Wohnungen verfügen alle über fließendes Wasser und Kanalisation. Es ist erkennbar, dass seit Jahrzehnten nichts zur Erhaltung der Häuser getan wurde; obwohl sie vernachlässigt sind, sehen sie immer noch solide aus.

Im Haus von Sergey sind wir Gast der Familie und sehr überrascht, was wir erleben dürfen. Nicht nur, dass wir fürstlich bewirtet werden, nein, wir werden sogar noch mit einem Privatkonzert beschenkt

Bei dem üppigen Essen lernen wir den Anteil der Familie kennen, der zu Hause ist. Fünf der acht Kinder sind zu Hause. Die zwei ältesten Mädchen, Tamari und Salome, haben wir schon in Deutschland kennengelernt. Salome, die wir kürzlich getroffen haben, beginnt bald ihr Theologietudium in Gießen und Tamari möchte auch in Deutschland Medizin studieren. Hier im Haus der Familie fehlt nur noch der älteste Sohn, doch der kommt bald dazu.

Das Erstaunliche ist, dass alle Kinder sehr musikalisch sind und in der Familienband spielen. Das Herz von Sergey hängt an der Musik und er hat nicht nur sehr viel Geld in das Equipment für das private Tonstudio investiert, sondern auch in die Ausbildung seiner acht Kinder.
Wir hören verschiedene Stücke, die von Peter, seinem Bruder am Schlagzeug und Zoya vorgetragen werden. Ich bin sehr berührt von der schönen Musik und besonders von den Liedern, die Zoya singt. Sie hat eine Stimme, ich glaube, damit kann sie Steine erweichen. Ich finde, sie hat eine einzigartige Stimme

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Privatkonzert bei der Familie von Sergey Kasradze in Rustavi am 6.6.2018.

Auch hier hätte ich gerne die Videos eingebunden, die ich von dem Privatkonzert aufgenommen habe. Diesmal ist es Youtube, an dem ich mich abarbeite. Es gelingt mir leider nicht, euch hier die wunderschöne Stimme von Zoya und die Musik der Kasradzeband zu präsentieren. Echt bedauerlich, doch ich möchte den Bericht gerne veröffentlichen. Vielleicht kann ich später noch Videos ergänzen

Voller wunderschöner Eindrücke, an Leib und Seele gut genährt und satt verlassen wir die Familie Kasradze. Sergey empfiehlt uns das Hotel Rustawi, das wir in dem neuen Teil der Stadt finden (einer Siedlung mit vielen Plattenbauten). Es ist das einzige passende Hotel hier; erbaut im stalinistischen Stil und es wird auch so betrieben, als würde die Sowjetunion noch existieren. Da meine Kreditkarte hier im Hotel nicht funktioniert, fahren wir drei Straßen weiter zu einer Bank und tauschen Geld. Nachdem wir noch Brot und Obst eingekauft haben, geht es wieder zurück zum Hotel.
Das Hotel hat noch verschiedene Überraschungen. Der Aufzug ist nicht sehr vertrauemserweckend. Schon beim Einstieg habe ich Bedenken, dass wir steckenbleiben, bzw. noch schlimmer, dass die Seile reißen und wir in den Schacht stürzen. Bei jeder Fahrt halte ich die Luft an. Ich zeige es nicht, wie ich mich fühle, um Nadja nicht zu beunruhigen. Leider ist es auch nicht so einfach, die Treppe zu benutzen. Wir befinden uns im 7. Stock, wenn ich mich recht erinnere. Bevor wir es uns gemütlich machen können, müssen wir das Zimmer wechseln. Den Geruch nach Farbe und Kunststoff in dem Zimmer, das wir erhalten, wollen wir nicht bis zum nächsten Morgen aushalten.
Endlich haben wir ein Zimmer für uns gefiunden; das Apparment, das wir jetzt haben, ist sehr groß. Hier können mindestens vier Personen bequem übernachten. Ich hole unsere Koffer und die Kühltasche mit unserer Verpflegung. Wir verstauen die Sahne, die Butter und den Käse in dem Kühlschrank. Dann stecke ich den Stecker von dem Kühlschrank in die Steckdose. Genau in dem Moment, wo ich das Gerät einschalte, klingelt das Telefon. Ich finde das schon sehr merkwürdig; ob uns hier der KGB ausspioniert? Das ist meine Vermutung …. Wir lachen uns echt schief hier.
Nach diversen Versuchen, das Klingeln abzustellen gelingt es mir dadurch, dass ich den Anschlussstecker aus dem Telefon zu ziehe.
Nun bringen wir noch unser Auto auf einen bewachten Parkplatz direkt neben dem Hotel. Die drei Männer, die wir dort antreffen sind sehr redselig. Nadja unterhält sich mit den Männern. Es ist mal wieder eine große Freude, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen. Die Atmosphäre ist richtig gut. Die drei sind sehr offen und freundlich. Wir erfahren etwas über die Geschichte von Rustawi und dass die deutschen Kriegsgefangenen nach dem zweiten Weltkrieg bei dem Bau der Stadt eine hervorragende Arbeit gemacht haben. Der Kanal und die Wasserleitungen funktionieren heute noch, sagt einer der drei.
Er liebt Deutschland und die Deutschen; Italien, das mag er nicht. Frankreich und Großbrittanien ebensowenig, doch Deutschland liebt er. Während er das sagt, stehen ihm die Tränen in den Augen. Es ist sehr berührend und mit viel Freude verabschieden wir uns und sagen gute Nacht.
Wir machen es uns nun gemütlich im Hotelzimmer und schauen uns von hier oben die beleuchtete Stadt an. Es sieht schon etwas trostlos aus, hier in dem Teil von Rustawi.

Morgen werden wir uns auf den Weg nach Borjomi machen. Es ist auch ein Tag mit sehr schönen Begegnungen und Borjomi ist ein echter Genuss. Ich hoffe, dass ich eure Neugier geweckt habe und dass ihr uns bald wieder auf unserem Blog besucht.

#Tbilisi, #Mzechta, #SchreinereiSchmidt, #Käse und Wein, #5.6.2018

Was ist zwischenzeitlich passiert? Warum die Unterbrechung der Reiseberichte?

Liebe Freunde, ihr Lieben, wie ihr ja bemerkt habt, habe ich mit den Reiseberichten pausiert.

Diese schöpferische Pause geht hiermit zu Ende.

Ich bin sehr froh, dass ich wieder inspiriert bin von den Eindrücken unsere Reise in den Osten. Auch wenn diese Eindrücke einige Monate zurückliegen, so haben sie keinesfalls ihre Kraft verloren.
Ich kann nicht sagen, an was es gelegen hat. Ich hatte einfach keinen Ansporn, die Reise auch hier zu Ende zu bringen. Mir fehlte der Antrieb zum Schreiben. Es ist bei wenigen Versuchen geblieben.
Zwischenzeitlich sind auch so viele Dinge passiert, die mich beansprucht haben. Im Spätsommer ist meine Mutter verstorben und meine Enkel, wie auch meine erneute freiberufliche Tätigkeit haben mich doch sehr beansprucht.
Natürlich hätte ich trotzdem weiter an meinen Berichten schreiben können.

Tatsache ist, es hat nicht geklappt.

Nun ist die Zeit reif und ich hoffe, dass ich dabei bleibe und euch auch wieder ganz zurück nach Hause führen kann.

Ihr könnt also gespannt sein, wie es weiter geht und wie es uns bei der Reise nach Borjomi, Batumi, Istanbul und zurück nach Europa ergangen ist.

Ich wünsche euch viel Freude beim lesen.

Fortsetzung der Reise:

Am Morgen werde ich, wie in den letzten Tagen schon, durch diese extrem hohe Stimme geweckt, die Malina, Malina ruft. Endlich erfahre ich, dass sich hinter der Stimme keine psychisch kranke Frau verbirgt, sondern eine Obstverkäuferin, die Himbeeren verkauft.

Dieses Organ, das die Obstverkäuferin hat, ist etwas Besonderes. Eine so durchdringend hohe Stimme wie bei einer Marktfrau ist da ideal. Sie kann nur überhört werden, wenn jemand taub ist. Das Rufen geht mir durch Mark und Bein. In den vergangenen Tagen habe ich die Stimme auch schon mehrfach gehört. Ich dachte, das ist ein Mensch mit einer psychischen Krankheit, der so gestört ruft.

Die Frau ruft lange und intensiv, an Ausschlafen ist da nicht mehr zu denken. Das war es, was mich so gestört hat. Doch das Rätsel ist jetzt aufgelöst, denn heute sehe ich die Frau endlich und kann die Stimme zuordnen. Ich beeile mich, laufe aus dem Hotelzimmer auf die Straße und kaufe 2 kg Himbeeren. Mmmmmh, die haben geschmeckt und unseren Frischkornbrei damit besonders lecker gemacht.

Ich hätte früher wissen müssen, was die Stimme bedeutet, dann hätten wir jeden Morgen Himbeeren zum Frischkorn gehabt.

Malina, Malina …. ich renne auf die Straße und kaufe einen kleinen Eimer Himbeeren:-)
Malina, Malina … Himbeeren zum Frischkornbrei
(5.6.2019 im Hotel Mtebi).


Es kehrt etwas Wehmut ein; heute ist unser letzter Tag in Tbilisi.

Wir genießen es hier in Tbilisi zu sein. Die Atmosphäre in der Stadt ist einfach gut und wir fühlen uns wohl hier. Wie gern wären wir noch geblieben. Da wir in Rustavi verabredet sind, müssen wir jedoch morgen weiterfahren.

Bevor wir die Weiterreise antreten, möchten wir uns heute Mzechta, die alte Hauptstadt Georgiens, ansehen. Uns wird empfohlen, auch das Kloster auf dem Weg nach Mzechta anzuschauen. Bevor wir losfahren, nutzen wir noch die Gelegenheit, in den Gassen  direkt am Hotel spazieren zu gehen, damit wir auch hier noch Eindrücke sammeln können (die Straßen und die Altstadt in diesem Bereich kennen wir noch nicht; in den vergangenen Tagen sind wir stets andere Wege gegangen).

Spaziergang am Morgen des 5.6.2019 in den Straßen am Hotel Mtebi
Idylle und gleichzeitig Tristesse in der Altstadt von Tbilisi (5.6.2019)

Um die Mittagszeit machen wir uns dann auf den Weg nach Mzechta. Ich kenne jetzt die Stadt Tbilisi schon ein wenig und finde schnell den Weg hinaus aus dem Zentrum. Doch die Straße nach Mzechta zu finden, da braucht es entweder die Ortskenntnis der Georgier oder viel Intuition, um die richtige Abzweigung zu finden, die uns nach Mzechta führt. Mit Ortsnamen und Straßenschildern haben es die Georgier nicht so. Hier ist intuitives Fahren und Suchen angesagt. Nach gefühlten fünf Fahrten im Kreis haben wir dann endlich die richtige Straße erwischt und kommen nach ca. 1 Stunde in Mzechta an.

Begrüßung am Parkplatz in Mzechta.
Ich werde standegemäß von der Schreinerei Schmidt in Mzechta begrüßt (5.6.2019).

Der „Herr der Parkplätze“ weckte mit seinem T-Shirt Heimatgefühle in mir. Ich gab ihm für den Parkplatz ein üppiges Trinkgeld (für uns ist das wenig, für einen Georgier viel, was ich ihm gebe). Natürlich ist Schmidt in Deutschland ein „Allerweltsname“. Doch ich bin überrascht, dass ich hier in dem fernen Georgien darauf stoße. Ob es mit der Zuneigung (vielleicht sogar der Seelenverwandschaft) der Georgier mit/für Deutschland und die Deutschen zu tun hat, dass der Mann dieses T-Shirt trägt, erfahre ich nicht. Der Mann spricht kein deutsch; Nadja erfährt nur, dass das T-Shirt ein Geschenk ist.

Mzechta

Archäologische Forschungen belegen, dass die Stadt seit über 3000 Jahren existiert. Fast 1000 Jahre bis zum 6. Jahrhundert war Mzcheta Hauptstadt des iberischen Reichs, das neben den Königreichen Kolchis an der Schwarzmeerküste und Kartlien ein Vorgängerstaat des heutigen Georgien ist.

Im Zentrum von Iberien gelegen, war Mzcheta eine der wichtigsten Handelsstädte zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer an der Seidenstraße. Die römischen Historiker berichteten über die Festungen der Stadt, von denen die Größte Armasis Ziche war. Ziche bedeutet im Georgischen „Festung“ und Armasi war der Gott der kaukasischen Iberer. Die Mauern der Festung umschlossen den Königspalast und den Tempel, vor dem eine große Statue des Gottes stand.

Wir gehen in die Stadt (die heute keine 10.000 Einwohner hat) und lassen uns durch die Swetizchoweli-Kathedrale führen. Die Kathedrale und weitere historische Denkmäler in Mzechta gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Legende sagt, die Heilige Nino habe den Zusammenfluss von Kura und Aragwi als Platz für die erste Kirche in Georgien ausgewählt und dabei auf eine alte Erzählung zurückgegriffen.

Danach reiste ein aus Mzcheta stammender georgischer Jude namens Elias nach Jerusalem, um im Prozess gegen Christus für ihn zu sprechen. Doch er kam zu spät, erlebte nur noch die Kreuzigung. Am Hügel Golgatha soll er einem römischen Soldaten dessen Gewand abgekauft und es nach Georgien gebracht haben. Daheim in Mzcheta hätte seine Schwester Sidonia es an sich gedrückt und sei sofort gestorben. Weil man das Gewand nicht aus ihrer Umklammerung habe reißen können, sei sie mit ihm begraben worden. Auf ihrem Grab sei später eine riesige Zeder gewachsen.

Die Heilige Nino soll angeordnet haben, die Zeder zu fällen und über dem Grab die Kirche zu bauen. Aus dem Zedernholz sollte eine Säule für den Kirchenbau entstehen. Doch die Säule ließ sich nicht aufrichten. Nino soll eine ganze Nacht gebetet haben, dann sei ein Engel in einem hellen Licht erschienen, der die Arme hob. Darauf habe sich die Säule aufgerichtet, sei zur Erde gesunken und der Bau konnte vollendet werden. Später soll die Zedernsäule eine heilige Flüssigkeit produziert haben, die Menschen von allen Krankheiten heilen konnte.

Die Legende gab der Kathedrale ihren Namen: Sweti zchoweli heißt „lebensspendende Säule“.

Von Levan Gokadze – Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49181095


In der Szwetizochweli-Kathedrale befindet sich eine Kopie der Grabstätte Jesu aus der Grabeskirche in Jerusalem (Mzechta, 5.6.2018)

Es ist ein kraftvoller Ort, an dem wir uns hier befinden. Die Stadt und die Kathedrale ist wohl auch ein Wallfahrtsort. Ich glaube, jeder Georgier identifiziert sich mit der Geschichte der alten Hauptstadt und den Legenden, die sich um sie ranken. Die Gebäude und die Mauern sind restauriert und befinden sich in einem guten und ansehnlichen Zustand.

Für mich ist es spürbar, Georgien war vor ca. 1.000 Jahren eine Weltmacht. Mzechta war die Hauptstadt dieser Weltmacht; von hier aus herrschten die georgischen Könige über die Länder um das Schwarze Meer. Auch die Länder am Kaspischen Meer gehörten zu dem Herschaftsgebiet von Georgien.

Nach einem Mittagessen begeben wir uns auf den Rückweg nach Tiflis. Wir wollen ja noch das Kloster besuchen, das uns empfohlen wurde. Wir können die Klostergebäude von weitem auf einem Bergrücken sehen. Doch es gelingt uns nicht, die Zufahrt zu finden. Hinweisschilder? Fehlanzeige! Daher ist es bei dem Versuch, das Kloster zu besuchen, geblieben. Wir kehren trotzdem zufrieden nach Tbilisi zurück; es sollte heute nicht sein, dass wir das Kloster finden.

Auf dem Weg zurück in die Altstadt von Tbilisi (5.6.2018).

Im Hotel angekommen, begeben wir uns nochmals in die Altstadt zu dem kleinen Lokal, das wir heute morgen gefunden hatten. Und wir haben hier einen wunderschönen Abschluss unseres Besuchs in Tbilisi, den wir richtig genießen.

Mit diesen schönen Eindrücken geht der letzte Tag in Tbilisi zu Ende. Wir sind traurig, dass wir fahren, doch wir nehmen uns vor, dass wir wiederkommen.

#Emigration #Assureti #Elisabeththal #Germanvillage #Friendship #Caucasus; 4.6.2018 Mountains, Sea and Wine (5. episode), #Auswanderung #DeutscheinGeorgien #DeutschesDorf #AdDG #Einung .. Berge, Meer und Wein (5. Folge)

Gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes in Tiflis lernen wir im Hotel Villa Mtebi die Empfangsdame Nino kennen. Die Begegnung mit Nino zählt zu den wenigen auf unserer Reise in den Osten, an die ich bleibende Erinnerungen haben werde. Ihr herzliches, freundliches und liebevolles Wesen tut einfach nur gut. Nino hat deutsche Wurzeln; ihre Großmutter ist eine geborene Schlecht gewesen und gehörte zu den Auswanderern, die vor 200 Jahren Neu-Ulm in Richtung Georgien verlassen haben.

Wirtschaftliche und religiöse Gründe führten dazu, dass die Neu-Ulmer damals  ihre Heimat verließen und  das Dorf Elisabeththal gründeten und aufbauten. Heute heißt das Dorf Assureti.

Nino hat uns sehr schnell als Deutsche erkannt und möchte uns das deutsche Dorf zeigen, in dem ihre Vorfahren lebten. Für mich gab es von Beginn an keine Zweifel, das Dorf möchte ich sehen. Da musste Nino kein zweites Mal fragen.

So viel deutsche Geschichte! Ich bin zuerst einmal total überrascht, dass Deutsche auch in Georgien gesiedelt haben. Während meiner Schulzeit hatte ich gelernt, dass sich Deutsche am Schwarzen Meer und in der Ukraine angesiedelt hatten. Auch von deutschen Siedlungen an der Wolga hatte ich erfahren. Jetzt, bei der direkten Konfrontation mit der deutsch-georgischen Geschichte wird mir bewusst, wie intensiv die deutschen Verbindungen zu Georgien sind und wie ein deutsches Freiwilligenregiment in der georgischen Armee 1918  dazu beigetragen hat, dass es Georgien heute noch gibt.

Georgien ist sehr deutschfreundlich und das war mir durch die Berichterstattung in den Medien auch bekannt. Doch ich merke hier, wie oberflächlich mein Wissen über die Geschichte von Georgien und den Deutschen in Georgien ist. Eigentlich kein Wunder, ist Georgien doch tausende Kilometer von meiner Heimat entfernt.

Gleichzeitig finde ich es bedauerlich, so wenig über das georgische Volk und die Menschen hier zu wissen. Auf unserer Ostreise haben wir schon einige (wenige) Volksgruppen oder Völker aus der ehemaligen Sowjektunion kennengelernt. Ich habe auf der Reise von Nadja erfahren, dass  Georgien zu Sowjetzeiten schon ein beliebtes Reiseziel der Russen war, dass Stalin ein Georgier war, dass es den Georgiern bis 1991 wirtschaftlich besser ging, als den Menschen in den meisten anderen Sowjetstaaten. Ich habe über die westlichen Medien von den Veränderungen erfahren, die nach dem Zerfall der Sowjetunion dazu geführt haben, dass von den 5 Millionen Georgiern ca. 1,5 Millionen das Land verlassen haben. Der Krieg mit Russland, die Abspaltung der autonomen Republiken Abchasien und Ossetien von Georgien, all das war mir oberfächlich bekannt.

Jetzt, wo ich zum ersten Mal hier in Georgien bin, liegt mir viel daran, meine Wissenslücken über die deutsch-georgische Geschichte zu schließen. Ich möchte Land und Leute näher kennenlernen, zumal es diese starken Verbindungen nach Deutschland gibt.

Schon während der ersten Besuche in der Altstadt erfahre ich, dass hier in Tiflis zwei Brüder aus der Siemens-Familie gelebt haben und hier beerdigt sind.

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Heute hat Nino schon am Morgen frei. Nach Ihrer Nachtschicht fahren wir los. Unterwegs müssen wir an einer Tankstelle anhalten. Die Reifendrucküberwachung an meinem Auto meldet einen Fehler. Das ist eine kleine Herausforderung, weil die Druckluftanlage der Tankstelle Mängel hat. Zuerst kommt uns ein Mitarbeiter der Tankstelle zu Hilfe. Doch seine Bemühungen, den vorgeschriebenen Druck im Reifen wieder herzustellen misslingen ebenso wie meine vorherigen Versuche…. nachdem ein zweiter Mann dazukommt, funktioniert die Technik. Gewusst wie!! Die Reifen sind bald aufgepumpt und wir fahren weiter. Assureti liegt nah an Tiflis, doch wir müssen die Berge umfahren, weshalb es ca. 45 Minuten dauert, bis wir angekommen sind.

Hier die ersten Eindrücke von Assureti:

 

 

In der Dorfmitte werden wir schon von Dschuljetta und ihrem Mann erwartet. Die Familien der beiden Schwestern von Nino wohnen noch hier im Dorf. Dschuljetta ist Nino´s ältere Schwester, die sich sehr für die Entwicklung des Dorfes einsetzt. Sie möchte die alte Mühle kaufen, die ursprünglich als öffentliche Versammlungsstätte diente. Das Haus der alten Mühle wurde früher auch als Theater genutzt. Heute ist es baufällig und nicht mehr nutzbar; die jetzige Eigentümerin hat leider kein Interesse an der Erhaltung. Dschuljetta träumt davon, nach dem Kauf die Mühle in ein Hotel umzubauen.

Wir beginnen unseren Rundgang durch das Dorf. Der Dorfarzt ist auch da und stellt sich vor. Offensichtlich hat er nicht viel zu tun und freut sich, dass er uns begrüßen darf. So gehen wir (ohne den Dorfarzt) die Straße entlang und sehen uns die verschiedenen Häuser an. Ich komme mir vor, als wäre ich in Deutschland. Der Baustil ist unverkennbar deutsch. Es sind großzügige Häuser die hier errichtet wurden. Dschuljetta berichtet uns, dass viele Häuser zweigeschossige Keller haben, da die Siedler in Elisabththal Weinbau betrieben haben.

In dem Dorf lebt aktuell nur noch eine Familie, die deutsche Wurzeln hat; alle anderen Einwohner sind Georgier. Die Einfriedigungen der Grundstücke im Zentrum des Dorfes sind im vergangenen Jahr mit EU-Mitteln restauriert worden, was dem Dorf ein freundliches Gesicht gibt. In den Straßen außerhalb der Dorfmitte sieht es trist aus. Die fehlenden Renovierungen aus der Mangelwirtschaft während der Sowjetzeit haben auch hier in Assureti deutliche Spuren hinterlassen.

Bei dem Besuch schenkt mir Dschuljetta, Nino´s Schwester, das Buch „Zur 200-jährigen Geschichte der Deutschen in Georgien“. Autor ist der Physiker Harry Augst, der Präsident der „Assoziation der Deutschen Georgiens“. Das Buch ist der Beginn meiner Wissensreise in die Geschichte der Deutschen Georgiens. Es entstand anlässlich des 25-järigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Georgien sowie dem 200. Jahrestag der Ankunft der ersten deutschen Siedler in Georgien – und es leistet (auch bei mir) einen wichtigen Beitrag für die Aufarbeitung und Erhaltung des deutschen Kulturerbes in Georgien.

Das Buch interessierte mich brennend; gleich nach meiner Rückkehr von der Reise habe ich es verschlungen (gelesen). Ich fand es unglaublich spannend, was ich beim Lesen erfahren habe. Hier ein Auszug aus dem Buch:

Im April 1917 wurden in den deutschen Kolonien im Kaukasus lokale Komitees geschaffen. Am 14. Mai 1917 wurde in Tiflis ein Kongress der deutschstämmigen Delegierten aus dem Kaukasus durchgeführt, auf dem ein zentrales Komitee deutscher Kolonisten unter Vorsitz von E. Bernstein geschaffen wurde. Der Kongress beschloss die Gründung einer russlandweiten Union der Bürger deutscher Nationalität. Der Kongress hat sich für die Hilfe der Deutschen, die während des Krieges aus dem Polnischen Königreich, Wolyn und anderen westlichen Territorien ausgesiedelt wurden ausgesprochen, ebenso für die Teilnahme der Deutschen an der Nationalversammlung. Im Kaukasus fungierte die Union russischer Bürger mit deutscher Abstammung. Ab 1917 wurde die Gewährleistung der Sicherheit der deutschen Bevölkerung im Kaukasus zur Hauptaufgabe dieser Union. Die Versammlung der der deligierten der Unon hat am 21. – 23. Oktober 2017 beschlossen, dass deutsche Kolonien ein Anrecht auf die Schaffung von Truppen zur eigenen Verteidigung haben. Am 2. Februar 1918 wurde durch die Regierung der kaukasischen Föderation eine Genehmigung zur Aufstellung eines deutschen Regiments innerhalb der georgischen Armee erteilt. Das Regiment sollte deutsche Kolonien gegenüber diversen Banden verteidigen.

Wie das deutsche Regiment Georgien vor der Besetzung durch die Türkei gerettet hat, könnt ihr hier nachlesen: Rettung der Unabhängigkeit Georgiens in 1918

Auch habe ich mir die Videos anlässlich des der 200. Jahrestages der Ankunft der Deutschen in Georgien angesehen und sehr viel im Internet recherchiert. Hier einige beispielhafte links:

Deutsche-Siedler-Schwaben-Georgien

Kaukasiendeutsche

Deutsche Siedler als Weinbauern

Wiederentdeckung deutscher Dörfer in Georgien

Spannend ist auch, dass die deutschen Vorfahren von Nadeschda Allilujewa, der Ehefrau Josef Stalins, aus Elisabethtal stammen. Ausgerechnet die Ehefrau dieses Despoten hatte deutsche Wurzeln. Stalin, der so vielen Menschen ihre Heimat genommen hat, sie umgebracht oder ihnen die Existenz geraubt hat. Seine Ängste, dass sich die deutschen Siedler mit Hitler verbünden, hat viele Russlanddeutsche in die Vertreibung geführt.

Hier nun die Fortsetzung unsere Rundgangs in Elisabeththal:

 

 

 

 

 

Wir gehen bis zum Friedhof, der am Ende der Dorfstraße liegt. Bereits im Jahr 2001 haben Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums (Homburg/Saar) und der Jugendkreis der evangelisch-lutherischen Versöhnungskirche Tiflis an der Renovierung des Friedhofs mitgearbeitet. Einige Gräber der deutschen Siedler lassen sich noch gut erkennen.

Wir gehen zur Dorfstraße zurück, Dschuljetta berichtet uns, dass Assureti sogar ein eigenes Badehaus hatte. Eine schwefelhaltige Quelle, die einige 100 Meter im Wald entspringt wurde in das Badehaus geleitet. Heute ist das Badehaus in Privatbesitz und die Badeanlagen sind verfallen. Die Quelle im Wald ist noch zugänglich und kann auch genutzt werden.

Mich beeindruckt der Spaziergang durch das Dorf. Welch ein Kraftakt, ein solches Dorf aus dem Nichts aufzubauen. Die ersten Siedler brauchten Unterstützung, hatten sie doch keine Einnahmen. Sie haben gebettelt oder erhielten Gelder der Herrscher, wenn ich das im Internet richtig recherchiert habe. Durch ihren Fleiß und die Schaffenskraft haben die Menschen hier gut gelebt. Im Jahr 1941 mussten sie über Nacht das Dorf verlassen. All das, was sie und ihre Vorfahren aufgebaut hatten, musste zurückbleiben. Eine nochmalige Entwurzelung, verursacht von den beiden Despoten Hitler und Stalin. Einige von denen, die die Deportation überlebt hatten, sind nach dem Tod Stalins wiedergekehrt. Einige konnten sogar ihre Häuser wieder übernehmen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind die Menschen – bis auf wenige – als Spätaussiedler nach Deutschland zurückgekehrt. Es gibt diverse unbewohnte Häuser, die zerfallen.

Nino und Dschulietta wären mit ihren Familien auch gerne zurückgegangen, doch der frühe Tod ihrer Großmutter hat die Aussiedlung in die BRD verhindert, wie Nino berichtete.

Nachdem wir den Rundgang im Dorf beendet haben, bittet uns Dschuljetta, sie zu ihrem Haus zu begleiten. Sie möchte, dass wir den Wein verkosten, den sie und ihr Ehemann anbauen.

Der Wein schmeckt uns; zudem werden wir noch mit Gebäck aus der Dorfbäckerei und anderen Leckereien verwöhnt.

Ich freue mich über das Engagement von Dschuljetta und Nino. Sie setzen sich ein für den Wiederaufbau der Kirche, für den Erhalt und Wiederaufbau der alten Mühle, den traditionellen Weinbau in Elisabeththal. Sie möchten das Dorf für den Tourismus öffnen. Es würde dem Dorf gut tun, wenn diese Projekte umgesetzt werden. Ich stelle mir vor, wie Elisabeththal in altem Glanz erstrahlt und wünsche den beiden Schwestern alles Gute bei ihren Bemühungen.

Mit vielen neuen Eindrücken beschenkt begeben wir uns auf den Rückweg nach Tiflis. In Gedanken – auch hier zu Hause in Deutschland – bin ich immer wieder in Assureti. Der aktuelle Besuch von Angela Merkel in Georgien sollte auch Wege öffnen, solche Projekte wie die Restaurierung der Kirche in Assureti, den Weinbau in Elisabeththal, die Erhaltung der alten Mühle zu unterstützen.

Wie gerne würde ich helfen, die Mittel zu beschaffen, die für diese Projekte so dringend gebraucht werden. Doch meine persönlichen Möglichkeiten sind sehr eingeschränkt. Ich hoffe und wünsche, dass sich durch die weitere Annäherung zwischen Georgien und Deutschland Kontakte ergeben, die dabei helfen, dass so viele Mittel nach Elisabeththal fließen, um die Visionen von Dschuljetta und Nino Wirklichkeit werden zu lassen.

Vielen Dank, Nino und Dschuljetta für diese Eindrücke und den Einblick in die Geschichte der Deutschen Siedler Georgiens. Mögen eure Visionen Wirklichkeit werden.

 

 

 

#Adventureeast #MotherGeorgia #Tbilisicitytour #SamebaCathedral #Sulfurbath #Friendship #Caucasus #Vogelsberg; 3.6.2018 Visit in Tbilisi; Mountains, Sea and Wine (4. episode), Besuch in Tiflis .. Berge, Meer und Wein (4. Folge)

Am 3.6. haben wir das Vergnügen, eine Stadtführung in Tiflis mitmachen zu können, die wir schon in Deutschland gebucht haben. Giorgi – ein sehr sympathischer junger Georgier – zeigt uns die Altstadt von Tiflis. Die Geschichte, wie es zu dieser Besonderheit kam, dass wir schon in Deutschland diese so von persönlichen Verbindungen oder Freundschaften geprägten Stadtführung buchen konnten, folgt im Anschluss.

Giorgi spricht englisch und ich übersetze das für Nadja in deutsch. Er ist – etwas untypisch für seine Tätigkeit – als Stadtführer eher schweigsam; wir lernen trotzdem die schönsten und bekanntesten historischen Plätze, die neuere Entwicklung, wie auch die Geschichte von Tiflis kennen.

Während der Stadtführung und dem Besuch der Kathedrale von Tiflis erfahren wir etwas über die Sitten und Gebräuche, bzw. die Gepflogenheiten der Georgier in Glaubenssachen. Bei der Ankunft an der Kathedrale, die sich außerhalb der Altstadt auf dem Eliashügel befindet, steht am Eingang ein 500er Mercedes Maybach. Mein erster Gedanke ist, ein ranghoher Politiker nimmt am Gottesdienst teil. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Dieses Fahrzeug gehört dem sehr betagten Patriarchen der „Dreifaltigkeits-Kathedrale“, der nach dem Gottesdienst von zwei Männern zu seinem Fahrzeug geführt wird. Er ist nicht mehr in der Lage allein zu laufen.

Ich finde das befremdlich, zumal im Umfeld der Kathedrale viele Menschen, denen offensichtlich das Geld zum Leben fehlt, um Almosen betteln. Ich teile Giorgi meine Meinung darüber mit, dass das Geld für den Maybach bei den Armen fehlt, bzw. mit dem Geld könnten viele Menschen satt werden. Giorgi meint nur, der Patriarch tut sehr viel für die Menschen in Tiflis. Die Georgier sind stolz darauf, einen solchen Patriarchen zu haben, der mit dem nach meinem Urteil sündhaft teuren Maybach chauffiert wird. So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind die Ansichten oder der Glauben.

Insgesamt sind wir über 6 Stunden in der Stadt unterwegs und eigentlich sehr erschöpft, nach den vielen Informationen und Eindrücken während der Stadtführung. Abends zieht es uns dennoch in die Schwefelbäder von Tiflis; was sich als ein weiteres Higlight unseres Aufenthaltes in Georgien erweist.

Nun möchte ich hier einen Einblick geben, wie es dazu gekommen ist, dass wir schon in Deutschland die Stadtführung mit Giorgi buchen konnten.

Die Geschichte beginnt im Vogelsberg in Hessen. Dort habe ich mich im Winter 2017 mit dem „Vulkanbäcker“ Joachim Haas und drei anderen Männern aus Schotten im Cafe Baumhaus auf dem Hoherodskopf zu einer Männerrunde verabredet. An diesem Treffen nimmt auch Nikolai Hampel teil. Wie ich dabei erfahre, ist Nikolai der Sohn von Professor Adolf Hampel. Irgendwann kommt das Gespräch auf die von mir geplante Russlandreise. Nik (eigentlich Nikolai, er macht mir den Vorschlag, ihn Nik zu nennen), erzählt mir die Geschichte seines Vaters. So erfahre ich davon, wie sehr Professor Adolf Hampel von  den Geschehnissen am Ende des zweiten Weltkrieges geprägt worden ist. Durch den Gerechtigkeitssinn eines russischen Soldaten, der einen  deutschen Einwohner des damaligen Heimatortes von Adolf Hampel vor den Schlägen eines Tschechen geschützt hat, bzw. der weitere Schläge verhindert hat, war der damals jugendliche Adolf Hampel offensichtlich tief beeindruckt.  Dieses Erlebnis hat dazu beigetragen, dass Adolph Hampel sich nach der Vertreibung aus seiner Heimat dem Russischen zugewendet hat. So war sein erstes Buch, das er sich im Westen gekauft hat, eine russchische Grammatik. Nik erzählt mir voller Stolz, dass sein Vater, dessen großes Wissen über die östliche Kirche und die Russen für Helmut Kohl so wertvoll war, dass dieser sich von Adolf Hampel beraten ließ. Adolf Hampel berichtet uns später, wie er politische Delegationen bei deren Reisen in die Sowjetunion begleitet hat. Dabei ist er unter anderem dem früheren russischen Außenminister und Georgier Eduard Schewardnadse zweimal begegnet.

Die Begegnung mit Nik am Hoherodskopf hat mich inspiriert, den Kontakt zu seinem Vater zu suchen. Ich möchte die Erfahrungen von Adolf Hampel nutzen, um unsere Reise nach Russland, zu dem russischen Bären, so sorgfältig wie möglich zu planen. Für mich ist die Reise ein Abenteuer, eine Reise in das Unbekannte. Das will gut vorbereitet sein. Nachdem ich Nadja von der Begegnung mit Nik Hampel berichtet hatte, war sie von meiner Idee, Adolf Hampel zu besuchen, sofort begeistert. Adolf Hampel war auch gleich bereit, uns zu unterstützen. Und so kam es im März 2018 zu einem Besuch bei der Familie Hampel in Hungen (in Hessen/Deutschland). Noch während dem ersten Besuch erhielten wir die Einladung zu einem georgischen Abend bei den Hampels. Bei dem georgischen Abend lernen wir die Familie von Otez Sergey Kasradze kennen, der mit seinem Sohn Peter zu diesem Zeitpunkt Deutschland besucht. Otez Sergey, der in Rustavi (ca. 50 km westlich von Tiflis) Priester ist, sein Sohn Peter, seine Töchter Tamari und Salome (die beide schon in Deutschland leben) waren anwesend. Aus dieser Begegnung entsteht die Freundschaft zu Salome, die für uns den Kontakt zu Giorgi in Tiflis geknüpft hat. Jetzt sind wir in Tiflis, und Giorgi – ein sehr sympathischer junger Georgier – zeigt uns heute die Altstadt von Tiflis. Die multikulturellen Einflüsse haben Tiflis über die Jahrhunderte geprägt. Heute fragt man sich manchmal an vielen Orten der Stadt, wo genau in der Welt man sich hier noch einmal befindet. Natürlich hat die Sowjetzeit auch ihre Spuren hinterlassen. Man sieht noch den Verfall und teilweise auch Verwahrlosung.

Als König Wachtang I. Gorgassali, Wolfshaupt heißt sein Ehrennamen auf Deutsch, im 5. Jahrhundert Tiflis zur Hauptstadt gemacht hatte, war sie Teil des Römischen Reiches. Im 7. Jahrhundert fielen die Araber ein, später die Perser und die Seldschuken.

Im Mittelalter waren es die Choresmier, dann die Timuriden, in der frühen Neuzeit die Türken und wieder die Perser. 1799 rückte Russland ein – und blieb bis zum Ende der Sowjetunion.

Tiflis war ein Knotenpunkt mehrerer Karawanenrouten, die Stadt lag an der berühmten Seidenstraße. Marco Polo pries sie im 13. Jahrhundert als „herrliche Stadt“, die von vielen Festungen umgeben sei. Die berühmteste ist Nariqala, erbaut von den Persern. Sie thront noch als Ruine über der Stadt, mehrere Male wurde sie geschleift und wieder aufgebaut.

Eine Seilbahn führt hinauf zu dem berühmten Botanischen Garten, oben ist er zu Füßen der Festung angelegt. 1827 machten sie so aus einer Naturkatastrophe eine Sehenswürdigkeit: Damals mussten nach einem Erdbeben Teile der Zitadelle abgetragen werden, auf dem Bauschutt legten die Arbeiter den Garten an.

Er ist heute der größte im südlichen Kaukasus, und es war ein Magdeburger, der ihn zwischen 1861 und 1889 erheblich erweiterte: Der Botaniker und Landschaftsarchitekt Heinrich Scharrer plante die ersten Gewächshäuser und das Botanische Museum.

Giorgi spricht englisch und ich übersetze das für Nadja in deutsch. Diesmal erweisen sich mal wieder meine Sprachkenntnisse nützlich für Nadja, was ja auf der Reise oft genug umgekehrt ist.

Unseren vereinbarten Treffpunkt – die Schwefelbäder von Tiflis – finden wir leicht. Da unser Hotel sehr zentral liegt, haben wir nach 15 min Fußweg die Schwefelbäder erreicht. Die Stadtführung beginnt mit einem kleinen Rundgang zu den schönen Souvenirläden, die es hier gibt. Sie gefallen mir besser als die vielen anderen Läden in der Stadt, die von Souvenirs so überladen sind. Auch wenn es schwer ist, wir können dem Shoppen widerstehen und gehen nach einem kurzen Umschauen weiter.

Auf dem Weg zu dem Botanischen Garten und dem Wasserfall treffen wir bald auf drei Musikanten, die gleich ihre Künste darbieten. Nadja wird animiert zu einer Tanzeinlage, ebenso eine Schulklasse aus Aserbeidschan. Es gefällt mir auch sehr, ich brauche halt immer etwas Zeit, um mich anstecken zu lassen und mitzumachen. So stehe ich dabei, schaue zu und freue mich sehr über die musikalische Einlage und den Tanz. Innerhalb  kurzer Zeit stehen sehr viele Menschen an dem Platz und genießen diese schöne Stimmung und die Musik.

Ich findes es besonders schön, zu erleben, wie sich die jungen Menschen aus Aserbeidschan, die wohl eine Klassenfahrt machen, von der Musik zum Tanzen anstecken lassen (Aserbeidschan ist das Nachbarland von Georgien im Kaukasus und die Völker sind seit langer Zeit miteinander verbunden). Diese Traditionen zu erhalten, indem sie gelebt werden, sehe ich als eine sehr wertvolle Quelle der Identität; es ist ja auch ein Zeichen von Zugehörigkeit und das kann in den jetzigen Zeiten, wo der Wandel immer schneller voranschreitet, friedensstiftend sein (damit meine ich, zuerst einmal den inneren Frieden in den Menschen, aus dem der äußere Frieden entstehen kann).

Dieses Erlebnis hier in der Altstadt von Tiflis zeigt mir auch, wie verbindend Musik ist. Das ist eines der Hauptmerkmale von Georgien, die Musik, der Gesang und die Freundlichkeit dieser Menschen hier. Besonders hier in dem aus meiner Sicht so toleranten Land, spielt es keine Rolle, welche Religion, Nationalität oder Hautfarbe ich habe. Musik ist international und bedarf keiner Übersetzung. Die Menschen kommen zusammen und können sich gemeinsam an den Rhytmen und dem Tanz erfreuen.

Jetzt fehlt nur noch der gute georgische Wein und wir könnten das schönste Fest haben. Es ist jedoch noch Vormittag und unsere Pläne sind anders, wir wollen die Altstadt sehen; so gehen wir weiter- beschwingt von dieser schönen Begegnung mit den Musikern und den Schülern aus Aserbeidschan.

Wie bereits erwähnt,  führt uns der Weg entlang dem Botanischen Garten und Wasserfall, vorbei an den ältesten Gebäude der Stadt zur Festung Nariqala. Wir vermeiden die Seilbahn und gehen zu Fuß nach oben.

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1827 traf ein Blitz ein Pulvermagazin in den Kasematten, das daraufhin explodierte. Weite Teile der Festung stürzten ein. Zu diesem Zeitpunkt war Georgien Teil des Russischen Reichs und die Burg ohne strategische Bedeutung. Sie wurde deshalb nicht mehr aufgebaut.

Wir haben von hier oben einen schönen Blick auf die Altstadt direkt unter uns und die entfernteren Stadtbezirke. In den Stadtteilen außerhalb der Altstadt prägen die Plattenbauten aus der Sowjetzeit und wenige Hochhäuser das Bild. Das sieht eher öde aus. Die Kathedrale, die neu errichtet wurde, steht dominant auf dem Eliashügel. Sie ist das größte Kirchengebäude Transkaukasiens.

Im Laufe der Jahrhunderte ist die Altstadt zerfallen. Sie wurde 1934 erstmals restauriert. Sie war damals eines der seltenen Restaurierungsprojekte in der Sowjetunion. 1975 wurde sie amtlich zum „historischen Bezirk“ erklärt.

Im September 2003 unterzeichneten der Europarat und die georgische Regierung eine Vereinbarung zum Tifliser Projekt, das eine Instandsetzung, Modernisierung und Revitalisierung des historischen Stadtkerns vorsieht. An der Realisierung des Projekts beteiligen sich auch die UNESCO und die Internationale Organisation zur Bewahrung des kulturellen Erbes (ICCROM).

Neben dem Aufbruch in der Stadt, der durch ihre Bewohner getragen wird, ist es der Initiative von Europa, der UNESCO und der Internationalen Organisation zur Bewahrung des kulturellen Erbes (ICCROM) zu verdanken, dass sich bei dem Auf- und Umbau der Stadt etwas bewegt. In der Altstadt unterhalb der Festung, mit einer architektonischen Mischung aus Geschichte und Moderne ist ein Stadtbild entstanden, das (wieder) schön ist. Ein Beispiel ist die Friedensbrücke. Daneben finden sich die zwei silbernen Röhren der Konzerthalle.

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Ich hoffe, den Georgiern gelingt es mit der Unterstützung von Europa und der UNESCO, diese Entwicklung fortzusetzen.

In diesem Land und der Stadt Tiflis fühle ich mich innerhalb der wenigen Tage meines Besuchs sehr wohl (auch wenn ich den Zustand der Straßen und Gebäude in Tiflis erkenne). Die warmherzige Atmosphäre, die Freundlichkeit der Menschen, insbesondere gegenüber uns Deutschen, ist einfach schön. Es ist für mich die Grundlage für bleibende Erinnerungen; aus meiner Zeit als aktiver Sänger in einem Männerchor kenne ich noch einen sehr schönen Spruch, der für mich viel Wahrheit enthält: “ Wo man (tanzt und) singt, da lass dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder“.  Solche bleibenden Erinnerungen an ihren Besuch in Tiflis wünsche ich zukünftig noch vielen Menschen, vor allem den Abenteurern und Liebhabern des Ostens, die sich nicht scheuen, die Umstände und diesen Weg hierher auf sich zu nehmen.

Auf dem Sololaki-Gebirgskamm gehen wir auf dem Panoramaweg weiter zu der „Mutter Kartli“. Der Sololaki-Gebirgskamm ist im Westen der Stadt oberhalb der Altstadt und weithin sichtbar.

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Die Statue symbolisiert die Stadt Tiflis, die im Volksmund „Mutter Georgien“ genannt wird. Sie schaut mit leicht geneigtem Kopf auf die Stadt, hält eine Schale Wein für die Freunde in der linken Hand, ein Schwert gegen die Feinde in der rechten.

„Kartlis Deda“, wie sie eigentlich genannt wird, ist eine Statue aus Holz, die mit Aluminium bekleidet wurde. Gleich nach der Unabhängigkeitserklärung 1991 hat sie eine Veränderung erfahren. Ihr zuvor demütig gesenktes Haupt wurde mit Lorbeer bekränzt und nun erhebt sie ihr stolzes Haupt.

 

Unsere Tour auf dem Bergrücken über der Altstadt ist mit der Besichtigung der „Mutter Georgiens“ zu Ende. Nun laufen wir zurück zu der Seilbahn. Auf dem Panoramaweg bieten fliegende Händler Obst an. Ich kaufe Erdbeeren und Wassermelone; bei der Wärme eine willkommene Erfrischung. In der Seilbahn erleben wir die Altstadt noch einmal aus der Vogelperspektive.

Giorgi geht zu Fuß zu seinem Auto; an der Talstation werden wir von ihm abgeholt. Wir fahren auf den Eliashügel zu der Kathedrale.

Die Kathedrale ist neu, drohnt monumental auf dem Eliashügel und wurde 1996 bis 2004 nach Plänen des Architekten Artschil Mindiaschwili erbaut. Der Entwurf wurde 1989 in einem von der orthodoxen Kirche ausgelobten Architektenwettbewerb unter über 100 Vorschlägen ausgewählt. Der mächtige Bau wurde aus Mitteln des georgischen Geschäftsmanns Bidsina Iwanischwili finanziert und galt als „Symbol der nationalen und religiösen Wiedererstehung Georgiens“. Auf ihrem neun Hektar großen Gelände sind auch die Residenz des georgischen Katholikos-Patriarchen und Erzbischofs von Mzcheta-Tiflis, ein Kloster, ein Priesterseminar und eine theologische Hochschule untergebracht.

Die Kathedrale ist eine Mischung verschiedener georgischer Kirchenbaustile. Sie hat einen kreuzförmigen Grundriss. Die beeindruckende Höhe des Gebäudes vom Erdboden bis zur Spitze des Kreuzes beträgt 84 Meter. Man kann sich im Gebäude verlaufen, die Sameba-Kathedrale besteht aus neun Kapellen. Sie sind den Erzengeln, Johannes dem Täufer, der Heiligen Nino, dem Heiligen Georg, dem heiligen Nikolaus von Myra, den Aposteln und allen Heiligen gewidmet. Fünf der Kapellen sind in einem großen Kellergeschoss untergebracht. Es gehört auch ein freistehender Glockenturm dazu, der ebenso monumental wirkt, wie die Kathedrale selbst. Wenn man zum Hauptportal auf den überaus großen, fast schon riesigen Platz hinaustritt, fällt der Blick gleich auf den Glockenturm.

Es ist eine Machtdemonstration, die ich hier auf dem Hügel erlebe. Patriarch Ilia II, das Oberhaupt der unabhängigen georgisch orthodoxen Kirche, der hier residiert, gilt bei manchen Menschen als der zweitmächtigste Mann in Georgien. Er stammt aus der Familie der Könige Georgiens. Seine Beziehung zur Demokratie und Freiheit ist bei manchen Menschen umstritten.

Heute ist Sonntag und Ilia II hat den Gottesdienst gehalten. Einige Gläubige lassen sich nach dem Gottesdienst von ihm segnen, dann führen ihn (man kann fast schon sagen, sie tragen ihn an den Armen) seine Begleiter zu dem 500er Mercedes Maybach, der am Portal auf ihn wartet. Auf dem Platz vor der Kathedrale sind die Gläubigen versammelt. Manche tragen die traditionellen Gewänder Georgiens. Wir begegnen einer Familie, deren drei Söhne entsprechend gekleidet sind. Einer der Jungen lässt sich mit uns fotografieren. Ich hätte mich nicht gewagt, den Jungen zu fotografieren; es war der ausdrückliche Wunsch der Mutter, das obige Bild zu machen.

Wir verlassen den Eliashügel und fahren zu dem Matsminda Park, der sich auf der höchsten Erhebung von Tiflis befindet. Durch den Fernsehturm, der hier oben steht, erkennt man den Berg schon von Weitem.

Es gibt schöne Bäume, die uns auf den Wegen Schatten spenden. Wir gehen zu der Aussichtsplattform, wo wir die Schulklasse aus Aserbeidschan wieder treffen. Hier oben haben die Begleiter der Schüler ein ausgiebiges Fotoshooting veranstaltet, bei dem auch Drohnen zum Einsatz kamen. Für mich war das Schauspiel etwas überzogen, die Darstellung der Schüler dauerte mindestens 15 Minuten und einige Auftritte wurden mehrfach wiederholt.

Wir laufen an Pavillons vorbei, die anscheinend bei Brautpaaren beliebt sind. Gleich zwei Hochzeitsgesellschaften feiern hier oben. Der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn ist zu hören und wir sehen viele freudige Menschen bei den Feiern. Auch hier gilt „Kleider machen Leute“; viele Hochzeitsgäste sind besonders edel und fein bekleidet. Und es ist schön anzusehen, wenn sich die Menschen so herausputzen und gemeinsam das freudige Ereignis feiern. Ich wünsche den Menschen, die sich getraut haben im Stillen Glück und Segen.

Wir gehen ein Stück in den eigentlichen Vergnügungspark. Es ist kaum Betrieb hier und es zieht uns eher weg von den kommerziellen Einrichtungen im Park. So fährt uns Giorgi zurück zum Hotel, wo wir uns von der Stadtführung ausruhen können.

Nach unserer Ruhepause entschließen wir uns für einen Aufenthalt in den berühmten Schwefelbädern von Tiflis. Im Hotel erhalten wir alle erforderlichen Informationen und gleich auch eine feste Buchung für den zu erwartenden Genuss. Den Weg kennen wir schon und so sind wir bald da. Es dauert noch eine kleine Weile, bis wir das reservierte Bad gefunden haben. Es gibt wohl fünf verschiedene Bäder hier.

Wir erhalten unsere Badetücher, werden in unser Bad geleitet und darüber informiert, dass wir in Kürze abwechselnd gewaschen und massiert werden. An den Geruch in dem Bad gewöhne ich mich schnell. Die Wassertemperatur ist gewöhnungsbedürftig; es dauert einige Minuten, bis ich vollständig in das Wasser eigetaucht bin. Die Wassertemperatur liegt immerhin zwischen 38 – 42 Grad Celsius. Gott sei Dank gibt es eine kalte Dusche und Tauchbecken mit kaltem Wasser.

Nach ca. 15 Minuten kam ein Mann für meine Behandlung. Ich wurde mit einem Roßhaarhandschuh und einer Lösung aus Apfelessig abgerubbelt. Die Hautpartickel lösten sich in großer Menge, was ich zwischedurch fühlen konnte. Ich weiß jetzt, was es heißt, dünnhäutig zu sein. Und gleichzeitig war es eine Wohltat für Körper und Seele. Im Anschluss an das Peeling habe ich eine Massage erhalten. Der Mann muss früher wohl Ringer gewesen sein. Noch nie habe ich solch kräftige Hände gespürt. Der Mann packt mich, als wäre ich ein Leichtgewicht und knetet mich gleichzeitig , wie einen Pizzateig vor dem Backen. Gott sei Dank gibt es hier unten keinen Ofen. So werde ich von dem Backofen verschont und komme erschöpft aus dem Bad. Allein dafür lohnt sich die Reise nach Tilfis.

Das Bad war sooo gut, sagt Nadja, die von einer Frau behandelt wurde. Der Service war eher Sowjetunion, doch das Bad und die Massage …. das war soooo gut:-)

Herrlich wohltuend, wir gehen nach Hause und fühlen uns, als kämen wir aus dem Jungbrunnen gekommen.

 

So geht es weiter:

4.6. Besuch in Elisabethtal, ein ehemals deutsches Dorf in der Nähe von Tiflis, mit Nino und Dshuletta

5.6. Mzcheta, die alte Hauptstadt Georgiens

6.6. Weiterreise nach Rustavi